Eva Glawischnig und Alexandra Fiedler-Lehmann auf der Bühne der Blumenfabrik

Fuck Macchiavelli – Das war der Frühstücks-Talk mit Eva Glawischnig


Letzte Woche lud ich im Namen der Grünen Wirtschaft Wien zu einem animierenden Gespräch mit der ehemaligen Spitzenpolitikerin Eva Glawischnig in die freundlichen Räumlichkeiten der Blumenfabrik – dem Veranstaltungsraum von GLOBAL 2000. Sowohl Eva als auch ich haben vor mehr als 20 Jahren bei der Umweltschutzorganisation gearbeitet.

Eva ist mittlerweile selbständige Nachhaltigkeitsberaterin und Führungskräftecoach. Thema unseres Frühstücks war die weibliche Macht und inwieweit frau sich den Spielregeln der Männer anpassen muss oder ob es andere – weiblichere? – Wege im Umgang mit Macht geben könne.

Den Beginn machte eine kompakte Keynote von Eva Glawischnig über ihre Erfahrungen und Learnings in der österreichische Politik – gespickt mit ein paar Schmankerln 😉

Eva Glawischnig rät im Umgang mit männlicher Machtzurschaustellung u.a.

  • Beanspruche den Raum: mit der Stimme und deinem Körper
  • Unterstreiche deine Argumente mit (großen) Gesten
  • Strahle Zuversicht aus
  • Unterbrich Vielredner mit einer Stopp-Geste und/oder in dem du ihn beim Namen anredest
  • Sprich Mikroaggressionen gezielt an


Strategien gegen Manipulation

  • Spiegeln und Nachfragen
  • Bei emotionaler Überwältigung und/oder Kontrollverlust: gezielt ansprechen und zurückziehen
  • Manchmal muss frau auch mal „auf den Tisch hauen“


Bedenken bei der Machtbeanspruchung

Wenn wir eine Machtposition anstreben, müssen wir – zumindest in der Wirtschaftskammer – davon ausgehen, dass wir in ein sehr patriarchal ausgerichtetes und von Männern dominiertes System einsteigen. Klar haben wir Bedenken. Eva Kelety zum Beispiel, die nun statt eines Mannes als Spitzenkandidatin zur Innungsmeisterin in der Fachgruppe Berufsfotografie antritt, nahm sich über ein Monat Zeit für ihre Zusage. Was sie letztlich überzeugte, war ihr (fortgesetzter) Ärger über Standesvertreter, die sich an alte Muster klammerten und darüber hinaus noch offen frauenfeindlich agierten.

Bobby Hermann-Thurnher, Spitzenkandidatin in der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation ist eine dicke Frau. Antidiskriminierung ist ein Schwerpunkt ihrer Arbeit – nicht nur in der Fachgruppe. Bevor sie sich entschied, Spitzenkandidatin zu werden, war eine ihrer Hauptsorgen, ob ihr Körper wohl ein Hindernis für ihren potenziellen Wahlerfolge wäre. (Welcher Mann hat sich je überlegt, eine Machtposition nicht anzunehmen, weil er optisch nicht entspricht?!) Muss jemand, die nicht „normschön“ ist, nicht umso vieles besser sein, um dieselben Ergebnisse zu erzielen?

Ich selbst hatte vor ziemlich genau 10 Jahren den Posten der Spitzenkandidatin ihrer Fachgruppe abgelehnt. Die Kosten-Nutzen-Rechnung ging für mich nicht auf. Wie viele andere Frauen hatte ich Care-Verpflichtungen. Weder wollte noch konnte ich meine Kinder so häufig fremdbetreuen lassen. Die Entschädigung von damals ein bissl mehr als 1.000 Euro war es mir erst recht nicht wert. Dazu die Überlegung, dass ich als EPU doch nicht für ALLE Werberinnen sprechen könne … Nun, dem derzeitigen Obmann fällt das scheinbar nicht schwer 😉


Ablenkungsmanöver?

Irritierend im positiven Sinne war der Einwand von Coachin Kathrin Leppla, ob wir uns mit unseren Diskussionen über den „richtigen Umgang“ mit Macht-Männern nicht verzettelten. Ob wir nicht einfach – unser Ziel klar im Fokus – unser Ding durchziehen sollten. [Anmerkung der Redakteurin: Das geht natürlich aus einer Position der Stärke heraus sehr viel leichter … ]


Nur gutes Feedback

Die mehr als 40 Frauen (+1 Mann, danke fürs Dabeisein) fühlten sich in den Räumlichkeiten der Blumenfabrik – dem Veranstaltungsraum von GLOBAL 2000 sichtlich wohl. Das vegan/vegetarische Frühstücks-Buffet trug sicherlich dazu bei 😊  Vor allem aber war es uns als Grüne Wirtschaft wichtig, in einen Dialog mit euch zu kommen, einen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen. Das geht auch mit vielen Teilnehmer:innen!

Die Weisheit der Gruppe zu nützen, ist vielleicht eines der wichtigsten Instrumente der weiblichen Macht …

 

Leseempfehlungen unserer Moderatorin

Elisabeth Lesser, Cassandra Speaks

Unlearn Patriarchy, hrsg. von Tanja Raich